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Dienstag, den 03. November 2009 um 22:56 Uhr

In einem kurzen Abschnitt der Evolution ist durch adaptive Radiation, d.h. Entwicklung morphologisch und physiologisch spezialisierter Arten aus einer Grundspezies, eine der artenreichsten Fischfauna der Welt entstanden. Durch Isolation infolge flachen Wasserstandes gab es lange Zeit drei Becken, die sich erst später mit der Erhöhung des Wasserstandes wieder verbanden. Mutation und Selektion ergaben Variation der Merkmale und eine getrennte Entwicklung.

So haben sich die Cichliden entsprechend der vorherrschenden Lebensräume mit ihren unterschiedlichen abiotischen (Lichtverhältnisse, Bodengrund, Gesteinsformationen) und biotischen (Nahrungsangebot, Fressfeinde) Faktoren angepasst.

Vom durch Wellenbewegung stark durchströmten Uferabschnitt (z.B. Eretmodus) über die verschiedenen Tiefenzonen der Unterwasserfelslandschaft (z.B. Tropheus, Neolamprologusarten, Petrochromis und viele andere), den ausgedehnten Sandflächen und deren Übergängen (z.B. Sandcichliden, Fadenmaulbrüter) bis zur Freiwasserzone (Cyprichromisarten) haben die Cichliden ihre ökologische Nische besetzt. Dementsprechend finden sich die unterschiedlichsten Formen des Nahrungserwerbes. Vom Aufwuchsfresser der Geröll- und Felszone, über die Insektenlarven-, Krebstier- und Fischfresser bis hin zum Planktonfresser im Freiwasserbereich ist alles dabei. Sogar parasitäre Formen, wie Schuppenfresserarten haben sich im Laufe der Entstehungsgeschichte entwickelt.

Gegenwärtig werden 190 beschriebene verschiedene Cichlidenarten unterschieden. Schätzungen gehen jedoch von mehr als 250 Arten aus, da noch lange nicht alle Teile des Sees erforscht und kartiert sind.

Ein weiterer Grund für die Artenvielfalt sind auch die unterschiedlichen Vermehrungsstrategien. So kommen im See neben den maulbrütenden Formen auch freilaichende und substratbrütende Arten mit hohen Vermehrungsraten (z.B. Lamprologusarten) vor, die die alten Seen – Viktoria- und Malawisee – nicht aufweisen.

Insgesamt ergab sich so eine taxonomisch mannigfaltige Fischfauna, die sich in einer faszinierenden Vielfalt der Morphologie (Gestalt), Ökologie (Angepasstheit an den Lebensraum) und Verhalten der Fische widerspiegelt.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 14. September 2010 um 07:50 Uhr